Ich sitze im Zirkus Krone in München. Ein schöner Ort und meiner Freundin zuliebe bei Mord auf EX. Sie hatte sich das gewünscht die Macherinnen hinter den Podcast einmal live zu sehen. Gesagt getan, Karten gekauft, im Augustiner gut gehen lassen und dann ins Eck weiter zur Veranstaltung. Die Show beginnt, die Protagonistinen erscheinen und das Publikum ( meist Mitte Zwanzig, weiblich) tobt.
In der Regel werden auf der Bühne Kriminalfälle aufbereitet. In diesem Fall der Jack Unterweger, der in den 90 er in Wien für Aufruhr sorgte. Der Fall hat Falco zum Song Jeannie inspiriert.
Und während ich so zuhörte wie es hauptsächlich Prostituierte traf, die stranguliert wurde überkam mich eine Erinnerung aus den späten 90 er.
Ich kannte ihn über einen gemeinsamen Bekannten.Ein lustiger, leicht beeinflussbarer Kerl, der zugegeben gerne über alle Grenzen ging. Ich erinnere mich an einen Geburtstag, es war meine Feier mit Freunden. Er nam in einem " du traust dich eh nicht Moment" den Penis eines Mannes in den Mund, einfach um den Grenzbereich zu verschieben. Ich weiß noch wie ich damals ihm sagte er soll das jetzt sein lassen. Ich nam es gelassen, wollte aber eigentlich nicht diese Art Eksesse fördern.
Wir verloren uns aus den Augen, ich bekam nur mit das er sich von seiner Verlobten getrennt hatte. Er bewirtschaftete einen kleinen Hof nebenbei. Freunde von mir besuchten ihn und ich erinnere mich, wie sie im Nachhinein schilderten er würde recht viel trinken aus Kummer. Im Nebensatz erwähnten meine Freunde noch, wie unheimlich dieser neue Wirt im Dorf war. Und wie unpassend sie die beginnende Freundschaft zwischen unseren lädierten Kumpel und diesem Typen fanden.
Da er mind. 1 Stunde entfernt wohnte und wir nur wenig Kontakt hatten, verlor ich ihn aus den Augen. Zu der Zeit lebte ich in einer zweier WG mit meinem blonden Gift. Ein Männerverschlingendes Vamp mit einem Herz aus Gold.
Dann ein Anruf, ob ich die Bild Zeitung schon gesehen hätte. Ein Kumpel stotterte und war sichtlich aufgewühlt. Auf der Titelseite war unser gemeinsamer Kumpel abgebildet und wurde des Mordes an einer Prostituierten beschuldigt. Wir hielten das für einen bizarren Scherz. Sorgten uns noch um seinen Hof und wollten aushelfen in der Bewirtschaftung.
Dann stellte sich jedoch schnell raus, er war ein Mörder. Dieser Wirt war einschlägig bekannt für seinen Sadismus und überzeugte unseren Kumpel Prostituierte zu entführen, sie vor der Kamera während des Geschlechtsakts zu erwürgen und diese Videos zum Höchstpreis zu verkaufen. Einmal ist es ihnen gelungen, ein weiteres Mal konnte die arme Frau das Vertrauen gewinnen und flüchten. Das Opfer wurde im Misthaufen gefunden, wo es vermutlich schon einige Zeit lag.
Er wurde verurteilt und wir haben es glaube ich bis heute nicht fassen können. Wir sind ländlich aufgewachsen, Gewalt und Extreme waren uns fremd. Kriminell war keiner von uns , wir alle studierten oder gingen bereits einer Arbeit nach. Das was haften geblieben ist das man im Grunde einen Menschen nicht kennt. Es bleibt einiges verborgen und es muss nicht alles verstanden werden.
Was einem so einfällt, wenn man Kriminalfälle aufbereitet betrachtet. Ich kann sagen, das es vermutlich einer der Gründe ist, warum ich True Crime nicht vertragen kann.
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