Ich fliege gerne, auch weite Strecken machen mir nichts aus. Im Grunde schaue ich mir gerne neue Dinge an, erkunde gerne Städte, probiere gerne unbekanntes Essen. Es ist ein Unterschied ob es beruflich oder privat ist, selten gelingt es kombiniert. Wenn ich geschäftlich reise, bleibt wenig Zeit für Sightseeing. Manchmal erübrigt es sich mit den Kollegen vor Ort oder Kunden den Abend zu verbringen und dann hat man plötzlich me-time. Musik war immer eine willkommene Gelegenheit, wenn es die Zeit ermöglichte war auch ein Konzert fällig im örtlichen düsteren Club der Wahl.
Lustig war einmal jedoch ein Abend im kalten Glasgow im Februar. Es gibt wenige Orte die Nebel und klamme fiese Kälte so gekonnt kombinieren. Den Schotten macht das so gar nichts aus. Während ich mir eine dickere Jacke wünschte, tänzelte leichtbekleidet eine Schottin in T-Shirt, Jeans Minirock und offenen Schuhen vor mir her. Leider hatte ich Fish um einen Tag verpasst und so blieben nur wirklich gute Fish n Chips in einer Bar. Spontan ging es in einen dunklen Keller, deren Boden vermutlich DNA Proben der letzten Generationen in Dublin lokalisieren sollte. Es war eine mir unbekannte örtliche Death Metal Band. Bei einem Bier wartete ich und wurde optisch nicht enttäuscht. Das Publikum kam unerwartet in weiblicher Überzahl gekleidete teils in den Farben des Regenbogens. Nur wenige langhaarige Metal Fans. Die Band betrat die kleine Bühne, es passten vielleicht 300 Mann in den Laden. Der Sänger hatte langes schwarzes Haar, stechende grüne Augen, muskulös und war gelinde gesagt ein Adonis. Das erklärte den weiblichen Anteil. Nun war ich gespannt. Nach kurzer dramatischer Vorstellung im breiten schottischen Akzent, began die Band. Und was soll ich sagen, es folgte ein im Grunde fünfminütiges , monotones Däng Däng Badumms, dann ging es weiter mit langatmigen Bass Einlagen. Und der Sänger, sagen wir es so, war wenigstens nett anzuschauen. Das Publikum wiegte sich beseelt zum Wimmern des experimentiellen Sound. Vermutlich ist das schottische Ohr um einiges rauer eingestellt,so das die Vorstellung anders erlebten als ich. Vielleicht fanden sie einfach nur den Sänger geil. Nach 30 Minuten war mein zweites Bier alle und ich bermerkte das ich diesen Ausflug in die schottische Death Metal Szene vorzeitig abbrechen wollte.
Bereut hab ich es nie. Denn das gehört beim ausprobieren dazu, man muss auch mal daneben liegen.
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