Ich besitze einen Einhorn Bademantel, sogar mit Regenbogenrücken. Er hat Ohren an der Kapuze und sogar ein Horn. Es bedeutet mir sehr viel ihn zu besitzen. Er tröstet mich.
Nun wie kam es dazu. Wie jeder erwachsene Mensch beklagte ich mich online darüber das es bei einem Discounter nur Einhorn Badetücher für Kleinkinder gab und es doch eine absolute Frechheit sei.
Zudem ginge es mir da zu dem Zeitpunkt nicht so gut, ich hatte mich zu dem Besuch bei einer Therapeutin entschieden und es stürzte mich in einer ziemliches Tränen Desaster. Ich arbeitete den Tod meiner Mutter und andere Themen auf und musste als sonst sehr kontrollierter Mensch der eher anderen hilft, ständig unkontrolliert weinen. Eine für mich ungewohnte Situation. Nicht weil ich mich unbedingt im Griff behalten wollte, sondern weil ich keinerlei Kontrolle darüber hatte. Darüber sprechen wollte ich auch mit niemandem, so kam es das ich es u.a. online andeutete. Es ging mir richtig schlecht.
Ich weiß das es dazu gehört, wenn man zu sich findet. Aber als stets kontrollierter und doch gelassener in sich ruhender Mensch, ist das schwer für mich. Ich habe in der Pandemie meine Mutter eng begleitet. Es war schwer bei ihr zu sein und sie während der Pandemie adäquat zu betreuen. Ich wohnte 200 km weg. Sie wollte nie umziehen und so nahmen wir es in Kauf. Ich versorgte sie mit allem und sie lebte in einer echten Damen Senioren WG. Sie hat im hohen Alter dort echte Freunde gefunden.
Wir hatten den Deal, sie entscheidet solange sie es noch kann für sich und wenn sie nicht mehr kann übernehme ich das für sie. Wir hatten früher ein manchmal schwieriges Verhältnis, da meine Mutter sehr manipulativ sein konnte.
So hätte sie zum Beispiel überhaupt keinen Schmerz gehabt, mich 200 km anreisen zu lassen um ihr ein paar besonders schöne Socken zu bringen. Da mußte man Kerngesund sein. Ich muss aber sagen das wir uns in den letzten Jahren ihres Lebens gefunden haben und es sehr vertrauensvoll zuging. Sie konnte sich auf mich verlassen und wusste egal wo sie war, ich hatte zumindest vorher alles geregelt oder vor Ort alles arrangiert.
Ich weiß noch wie dankbar und erleichtert ich war das sie sehr früh gegen COVID geimpft wurde und ich als Betreuer ebenfalls früh dran war. Eine unendliche Erleichterung.
Mein Bruder lebte in der Schweiz und so war ich neben meiner Nichte für sie da.
Nun kann man sich vorstellen wie aufreibend das sein kann, jede Woche 500 km abzureisen, um max. für 60 Minuten die Hand im Krankenhaus halten zu können. Während der Pandemie, mit Vollmontur und Maske.
Ich habe es auf jeden Fall nicht mehr bemerkt und nur noch funktioniert.
Ich möchte hier nicht den Anschein erwecken das ich das als Helfentat empfand. Es war selbstverständlich, ich würde es wieder genau so machen. Es hilft mir in solchen Situationen etwas zu organisieren und sinnstiftend für Erleichterung zu sorgen. Und ich kann nur meinen Hut ziehen vor allen Pflegekräften, Taxifahrer und Verwaltungshelfern, die oft die Extrameile gegangen sind und trotzdem ein freundliches Wort übrig hatten. Natürlich erinnere ich mich auch an ausgelaugte Ärzte die vollkommen erschöpft verursachten den Irrsinn der Pandemie zu meistern.
Nun leider verlangte die Krankheit meiner Mutter ihren Tribut. Auch das mitten in der Pandemie. Auflagen für die Beerdigung mit einer max. Oberzahl führten dazu, das wir vollumfänglich auf eine große Beisetzung verzichteten.
Ich hatte nicht bemerkt, wie sehr das an mir gezehrt hatte. Es war ungewöhnlich für mich überhaupt darüber zu reden das es mir schlecht ging. Das ließ jemanden der mir sehr am Herzen liegt, keine Ruhe. Und so kam es das ich plötzlich Zuhause ein Paket bekam. Darin war ein Einhorn Bademantel, plüschig und er passte wie angegossen. Ein besonderer Mensch hat es nicht ertragen das ich ständig rumheulte und nicht verriet warum. Ich freue mich bereits auf den Herbst, dann kann ich ihn wieder ständig anziehen. Er tröstet mich und ist ein besonderes Geschenk von einem besonderen Menschen für mich.

Es ist nicht selbstverständlich so offen zu schreiben. Ich weiß nicht was ich dir sagen könnte außer das ich dich gerne lese und du eine bemerkenswerte Frau bist. Schön das du jemanden so besonderen in deinem Leben hast der in einer schwierigen Zeit für dich da war um zu unterstützen.
AntwortenLöschenD.
Für dich mag es selbstverständlich gewesen sein. Ich finde dein Verhalten absolut bemerkenswert und freue mich, dass du solch besondere Menschen hast, die dich stützen.
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